Commonwealth Games in Gold Coast/ Australien – Britanniens koloniales Sporterbe

Die Commonwealth Games sind ein Relikt aus britischen Kolonialzeiten, für das Empire und die britische Politik aber eine Gelegenheit, ihren Anspruch zu zelebrieren. Nicht zur Freude aller.

Die gerade vor 35.000 Zuschauern eröffneten 21. Commonwealth-Spiele erfreuen sich eigentlich großer Popularität: Tausende Sportler messen sich in 275 Wettkämpfen an elf Tagen, rund um den Globus verfolgen Hunderte Millionen Menschen die 275 Wettkämpfe vor dem Fernseher – zumindest in einem Teil der Welt. Denn die Menschen in Pakistan, Tuvalu, den Bermudas oder Kanada eint nur eine gemeinsame – unfreiwillig gewählte – Geschichte: Sie standen oder stehen unter dem Einfluss der britischen Krone.

Trotzdem verfolgten über eine Milliarde Menschen die Eröffnungsfeier vor dem Fernseher. Für Menschen aus nicht-anglofonen Ländern mag das befremdlich wirken, doch für die Menschen aus den 71 teilnehmenden Ländern und Überseegebieten von Großbritannien haben die Spiele Tradition. Bislang wurden sie 21 Mal ausgetragen, Premiere war 1911 als „Festival of Empire“ in London. Die Engländer wollten das bröckelnde Empire mit einem Sport- und Literaturevent zusammenbringen. Selbst nach der Gründung des Commonwealth 1931 hießen die Spiele bis 1966 noch „British Empire and Commonwealth Games“.

Proteste bei den Spielen des Empire

Dazu passt auch der Besuch der britischen Krone. Prinz Charles und Camilla kamen pünktlich zur Eröffnungsfeier und bleiben mehrere Tage. Doch die koloniale Geschichte der Spiele führte auch immer wieder zu Protesten. Bereits 2006 bei den Spielen in Melbourne demonstrierten die australischen Ureinwohner, auch jetzt nutzten sie die Veranstaltung, um auf ihre schlechte Lage aufmerksam zu machen. „Stolen Wealth Games“ ist der Slogan, unter dem Proteste in diesem Jahr ablaufen.

Der Commonwealth selbst, der Bund unabhängiger Staaten, die ehemals zum britischen Empire gehörten, hat eigentlich nur 52 Mitglieder, 71 Fahnen wurden aber bei der Eröffnung ins Stadion getragen. Grund: Auch die britischen Überseegebiete nehmen daran teil. Neben souveränen Staaten wie Indien oder Kanada und dem erst seit 1981 unabhängige Belize, sind eben auch solche, die gar keine eigenen Staaten sind und damit Relikte aus früheren Jahrhunderten.

Die Spiele zeigen der Welt, wo die Briten sind

Die Falklandinseln haben nur knapp 3.000 Einwohner, sind aber mit einem 26 Mann starken Team aus Offiziellen und Sportlern vertreten. Die teilnehmenden Badmintonspieler und Schützen sind chancenlos, die politische Message hinter ihrer Teilnahme dafür ist stark. Denn wenn Vertreter der Falkland-Inseln oder aus Gibraltar teilnehmen, ist das auch ein Zeichen an Länder wie Argentinien und Spanien, die diese Gebiete ebenfalls beanspruchen.

Die Spiele sind nicht nur ein Blick in die die britische Geschichte, sondern auch der Beweis dafür, wie das koloniale Erbe bis heute weiterlebt. Die Veranstaltung wirkt wie Folklore, auch wenn viele internationale Weltklasseathleten am Start sind. Doch für die Menschen in den einzelnen Ländern ist das Prestige genau hier am Start zu sein nach wie vor groß.

Bowls, aber kein Cricket

Es gibt aber durchaus auch ein gemeinsames sportliches Erbe und Sportarten, die bei anderen Großereignissen wie olympischen Spielen keine Chancen auf Aufnahme ins Programm hätten: Bowls oder Netball etwa. Cricket dagegen, populärer Sport in vielen Ländern des Commonwealth, der zehntausende Zuschauer in die Stadien lockt war nur 1998 Teil des Programms. Grund dafür: Ähnlich wie bei olympischen Eishockeyturnieren die NHL sperren sich die Cricketverbände. Terminprobleme und natürlich Geld sind die Gründe. Auch 1998 nahmen die englischen Cricketspieler nicht teil.

England wird seine Rolle in der Welt neu definieren müssen. In einer Umfrage unter der australischen Bevölkerung im Februar dieses Jahres sprachen sich 52 Prozent für die Loslösung von der Monarchie aus, besonders unter jungen Menschen finden die Royals wenig Anklang. Derzeit darf das royale Empire aber noch einmal seinen Einfluss zumindest auf die Welt des Sports zelebrieren.