Australien: Abgeordneter macht Freund Heiratsantrag im Parlament


 
 
 

Romantik im Repräsentantenhaus: Der erste Heiratsantrag im Plenum des australischen Parlaments sorgt für einen emotionalen Moment in der Debatte um die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben.

In Australien ist am Montag die Debatte über die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben im Repräsentantenhaus mit einer Premiere gestartet: Erstmals in der Geschichte der australischen Demokratie wurde im Parlamentsprotokoll ein Heiratsantrag vermerkt. Der konservative Abgeordnete Tim Wilson, ein Politiker der Regierungspartei „Liberal Party“, richtete die Frage an seinen langjährigen Partner Ryan Bolger, der als Zuschauer der Debatte beiwohnte.

„Ryan Patrick Bolger, willst du mich heiraten?“, fragte der 37-jährige Politiker aus dem Bundesstaat Victoria unter Tränen. Bolger nickte lachend und unter Applaus. Parlamentsvizepräsident Rob Mitchell bemerkte daraufhin: „Wir sollten für das Protokoll feststellen, dass das ein ‚Ja‘ war – ein deutliches ‚Ja'“.

Wilson erzählte in seiner Rede auch von seiner Beziehung mit Bolger und dankte ihm, dass er in all den Jahren hinter ihm gestanden habe. Bereits vor sieben Jahren hätten die beiden Ringe ausgetauscht – da Schwulen und Lesben die Ehe bis dato verboten ist, sei damals aber nicht völlig klar gewesen, was dies bedeute.

Die Ehe-Debatte habe seine politische Laufbahn immer begleitet, so Wilson weiter, sei aber nie zentral gewesen: „Wir wissen beide, dass dieses Thema nicht der Grund war, warum wir in die Politik gegangen sind – gebt uns lieber eine Steuerreform!“

Das Gesetz zur Öffnung der Ehe wird inzwischen im Repräsentantenhaus debattiert, nachdem es vergangene Woche im Senat eine große Mehrheit gefunden hatte (queer.de berichtete). Die Senatoren lehnten dabei mehrheitlich Änderungsanträge von Homo-Gegnern ab; diese wollten in dem Gesetz verankern, dass Geschäftsleute künftig aus religiösen Gründen Homo-Paare diskriminieren dürfen.

Über ähnliche Anträge soll auch im Repräsentantenhaus abgestimmt werden. Die konservative „Liberal Party“, die derzeit eine Minderheitsregierung anführt, hat die Abstimmung freigegeben, die oppositionelle „Labor Party“ fordert die Öffnung der Ehe ohne neue Diskriminierung.

„Liberal Party“ bei Ehe-Öffnung gespalten

Den Antrag auf Ehe-Öffnung eingebracht hatte der konservative Abgeordnete Warren Entsch. Der 67-Jährige aus Queensland, der von den Medien als „ungestümer Heterosexueller“ bezeichnet wird, hat sich bereits Anfang des Jahrtausends für die Ehe-Öffnung ausgesprochen und die damalige homophobe Haltung seiner Partei unter Premierminister John Howard scharf kritisiert. Howard hatte 2004 die Einführung eines gesetzlichen Ehe-Verbots für Schwule und Lesben durchgesetzt.

Entsch erklärte in der Debatte: „Wer hat das Recht zu sagen, dass ein Mensch keine gleichen Rechte erhalten soll und seine Liebe weniger wert ist, nur weil er jemand anderes liebt?“ Der Abgeordnete trug anlässlich der Debatte eine Regenbogenkrawatte.

Ex-Premier warnt vor „politisch korrektem Fanatismus“

Aus der „Liberal Party“ gab es aber auch Stimmen, die das Recht auf Diskriminierung von Homo-Paaren aus religiösen Gründen einforderten. So verteidigte der ehemalige Premierminister Tony Abbott, ein erbitterter Homo-Gegner, das Recht von Menschen, die Verbindung von gleichgeschlechtlichen Paaren aus religiösen Gründen abzulehnen: „Das sind keine Fanatiker, sondern einfach Leute, die die uralten Traditionen respektieren, die uns überliefert wurden“, so der überzeugte Christ, der das Land zwischen 2013 und 2015 regierte.

„Jetzt brauchen wir einen Augenblick, in dem das Land zusammensteht. Die beste Art, das Land zu vereinen, ist, die Sorgen um die Redefreiheit, der Gewissensfreiheit, der Religionsfreiheit und der Elternrechte zu berücksichtigen, die viele Australier haben. Die beste Art, das Land zu vereinen, ist, nicht homophobe Vorurteile durch einen neuen politisch korrekten Fanatismus zu ersetzen.“

Die Abstimmung über die Ehe-Öffnung ist eine Folge eines Volksentscheids, in dem 62 Prozent der Wähler für die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht gestimmt haben (queer.de berichtete). Das Referendum war von Premierminister Malcolm Turnbull angesetzt worden, weil es in seiner Partei einen Streit um das Thema gegeben hatte, der durch die direkte Demokratie beigelegt werden sollte. LGBTI-Aktivisten hatten den Volksentscheid mehrheitlich abgelehnt, weil sie eine Polarisierung fürchteten und erklärten, dass Grundrechte nicht durch Mehrheitsentscheidungen gewährt oder verwehrt werden sollten. Tatsächlich hatte es während des Wahlkampfes mehrere homophobe Übergriffe gegeben.